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Monday, September 14, 2026

Frankfurter Menschenrechtsforum: Glaubensgemeinschaften mahnen Religionsfreiheit und gleiche Rechte an

Frankfurt am Main, 22. August 2026 — Vertreterinnen und Vertreter von dreizehn Religionen und Weltanschauungen haben bei einem internationalen Forum in Frankfurt am Main einen stärkeren Schutz der Religions- und Gewissensfreiheit gefordert. Mehr als 200 Menschen nahmen nach Angaben der Veranstalter am 22. August im Soaltee Hotel oder online am Europäischen Forum für Religionsfreiheit und Menschenrechte teil. Ausgerichtet wurde die Veranstaltung unter dem Motto „Voices be Heard“ vom Forum for Religious Freedom Europe (FOREF Europe).

Das Treffen fand am Internationalen Tag zum Gedenken an die Opfer von Gewalttaten aufgrund von Religion oder Weltanschauung statt. Die Vereinten Nationen hatten den Gedenktag 2019 mit der Resolution A/RES/73/296 eingerichtet. Darin wird nicht nur die Unterstützung der Opfer hervorgehoben, sondern auch die vorrangige Verantwortung der Staaten für den Schutz der Rechte religiöser und weltanschaulicher Gemeinschaften festgehalten.

Die Lebensumstände und Verfolgungserfahrungen der in Frankfurt vertretenen Gruppen unterschieden sich erheblich. Ein Vergleich ihres Leids sei ausdrücklich nicht beabsichtigt gewesen, erklärten die Gastgeber. Vielmehr habe das Prinzip „We listen but we don’t judge“ gegolten. Persönliche Berichte wurden deshalb im Verlauf des Nachmittags durch juristische und religionswissenschaftliche Beiträge ergänzt.

FOREF-Deutschland-Geschäftsführer Michael Langhans stellte in seiner Eröffnungsrede einen Zusammenhang zwischen Religions-, Meinungs- und Pressefreiheit her. Religionsfreiheit lasse sich ohne die beiden anderen Freiheitsrechte nicht wirksam schützen. Formen von Gewalt und Ausgrenzung könnten sich nach seiner Auffassung neben körperlichen Übergriffen auch in institutioneller Untätigkeit, Schweigen oder medialer Vorverurteilung zeigen. Insbesondere pauschale „Sekten“-Narrative betrachtete er kritisch.

Langhans forderte, unterschiedlichen Betroffenen — von Uiguren und Jesiden bis zu Angehörigen von Scientology und Shincheonji — zuzuhören und den Austausch nicht auf einen einzelnen Gedenktag zu beschränken. In seinem späteren Vortrag „Voices be heard“ berichtete er aus zehn Jahren juristischer Tätigkeit im Umfeld neuer religiöser Bewegungen. Sobald Gemeinschaften als „Sekte“ bezeichnet würden, sei es für deren Mitglieder häufig schwieriger, in Medien oder Verfahren mit ihren Positionen durchzudringen, sagte Langhans. Er verwies auf die Unschuldsvermutung und forderte Justiz, Presse und Gesellschaft zu größerer Bereitschaft zum Zuhören auf. Seine zentrale Botschaft lautete: „Das Richtige beginnt immer im Zuhören“.

Internationale Grußbotschaften lenkten den Blick anschließend auf unterschiedliche Regionen der Welt. Merlin Ivancea, Bürgermeister der rumänischen Gemeinde Slobozia Bradului im Kreis Vrancea und selbst Roma, bezeichnete Religions- und Gewissensfreiheit als Grundrecht jedes Menschen. Zugleich erinnerte er an die historische Verfolgung der Roma in Europa.

Jascha Noltenius, Menschenrechtsbeauftragter der Baha’i in Deutschland, thematisierte die Lage seiner Glaubensgemeinschaft im Iran. Seit der Islamischen Revolution seien Baha’i dort systematischer Verfolgung ausgesetzt; UN-Sonderberichterstatter hätten die Situation als Verfolgung „von der Wiege bis zur Bahre“ beschrieben. Noltenius verwies auf Peyvand und Borna Naimi, zwei junge Baha’i, denen nach seinen Angaben die Todesstrafe drohe, sowie auf strukturelle Benachteiligungen in Ägypten. Er forderte gezielte Diplomatie, öffentlichen Druck und ein abgestimmtes Vorgehen der Europäischen Union.

Auch Tibet stand auf der Tagesordnung. Tenzin Drakba, Geschäftsführerin der Tibet-Initiative Deutschland, erinnerte an die Selbstverbrennung des tibetischen Aktivisten Lhakar Rangzen im Juli 2026. Sie berichtete zudem über Zwangsassimilation, Einschränkungen religiöser Bildung und staatliche Einflussnahme auf die Nachfolge des Dalai Lama.

Reverend Usman Fornah aus Sierra Leone hob dagegen die Rolle des Dialogs bei der Überwindung von Differenzen und der Festigung bestehender Verbindungen hervor. Reiner Braun verwies in einer Videobotschaft auf Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, in dem die Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit verankert ist, und verlangte neue sowie besser koordinierte internationale Anstrengungen zu deren Schutz.

Besonders persönlich wurde das Forum beim Beitrag des Frankfurter Juristen Wahaj Bin Sajid vom Rat der Religionen. Er sprach für die Ahmadiyya Muslim Jamaat, die nach Angaben des Forums rund 60.000 Mitglieder in Deutschland und weltweit mehrere zehn Millionen Anhänger zählt. Für Bin Sajid ist der Gedenktag unmittelbar mit seiner eigenen Familie verbunden: „Für mich trägt dieser Gedenktag ein Gesicht“.

Sein Cousin Nasir Mahmood Khan kam 2010 beim Terroranschlag auf zwei Ahmadi-Moscheen im pakistanischen Lahore ums Leben. Bin Sajid zufolge versuchte Khan, eine Handgranate von anderen Gläubigen fernzuhalten. Bei den Angriffen starben 94 Menschen, mehr als 120 wurden verletzt.

Bin Sajid schilderte ferner die rechtliche Diskriminierung der Ahmadiyya in Pakistan, die seit 1974 verfassungsrechtlich und seit 1984 auch strafrechtlich verankert sei. In Deutschland kritisierte er eine hohe Zahl erstinstanzlich vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge abgelehnter Asylanträge von Ahmadis; ein Großteil dieser Entscheidungen werde später gerichtlich korrigiert. Zugleich verwies er auf das gesellschaftliche Engagement der Gemeinschaft, etwa nach der Flutkatastrophe im Ahrtal, und warnte vor antimuslimischem Rassismus gegenüber auch gut integrierten jungen Muslimen.

Einen weiteren Schwerpunkt bildete das Schicksal der Jesiden. Murad Murad, Vorsitzender der Jesidischen Gemeinschaft Thüringen e.V., stammt aus Sinjar im Irak und überlebte den am 3. August 2014 begonnenen Völkermord des sogenannten „Islamischen Staates“. Er erinnerte daran, dass Tausende Jesiden ermordet sowie Frauen und Kinder verschleppt, versklavt und verkauft worden seien. Die kurdischen Peschmerga hätten sich zuvor kampflos zurückgezogen.

Mehr als 2.500 Jesidinnen und Jesiden würden noch immer vermisst, sagte Murad. Zahlreiche Massengräber seien weiterhin nicht exhumiert; viele Vertriebene lebten seit zwölf Jahren unter schwierigen Bedingungen in Lagern. Er beklagte den schleppenden Wiederaufbau Sinjars und fortdauernde religiös motivierte Anfeindungen. Seine Organisation unterstütze seit drei Jahren Projekte in der Region, darunter die Trinkwasserversorgung und ein Bildungszentrum für Kinder. Murad warb zudem für ein Zentrum für Religionsfreiheit und Menschenrechte in Sinjar.

Quato Haskan vom Zentrum für die Angelegenheiten der Jesiden ergänzte später in einem zweisprachigen, übersetzten Vortrag, dass Hassrede, Hetze und Vorwürfe des Unglaubens für Jesiden in der Region Kurdistan und im Irak weiterhin eine konkrete Gefahr darstellten.

Über staatliche Repression gegen Uiguren in China berichtete Haiyuer Kuerban, Leiter des Berliner Büros des World Uyghur Congress. Er schilderte, wie er bereits in seiner Kindheit Einschränkungen religiöser Praxis erlebt habe. Aus Verhören und Zugangsbeschränkungen zu Moscheen in den 1990er-Jahren habe sich nach seiner Darstellung eine systematische Internierungspolitik in Ostturkestan/Xinjiang entwickelt.

Kuerban sprach von der Zerstörung Tausender Moscheen und Friedhöfe. Zudem verwies er auf Berichte über unterlassene Begräbnisgebete sowie über Zwang zum Verzehr von Schweinefleisch oder zum Konsum von Alkohol. Sein internationales Engagement habe nach eigener Darstellung auch Repressalien gegen Angehörige in China ausgelöst. Er forderte andere Religionsgemeinschaften, die Politik und Menschenrechtsorganisationen dazu auf, den Uiguren Gehör zu verschaffen.

Großmeister Shifu Shi Miao Sheng, Mönch der 36. Generation und Vertreter des mehr als 1.500 Jahre alten Shaolin-Erbes des Songshan Shaolin Temple, nahm die jüngste Krise um den früheren Abt Shi Yong Xin zum Ausgangspunkt seines Beitrags. Gegen diesen stehen Vorwürfe der Veruntreuung und Verstöße gegen Ordensregeln im Raum. Individuelles Fehlverhalten müsse transparent aufgearbeitet werden, sagte Shi Miao Sheng; daraus dürfe jedoch kein Generalverdacht gegen eine gesamte spirituelle Gemeinschaft entstehen. Er forderte Schutz vor Kollektivstrafen, die aktive Gewährleistung von Religionsfreiheit und interreligiösen Austausch. Eine Darbietung traditioneller Shaolin-Kampfkunst begleitete seinen Auftritt.

Sara Mohamed, Mitgründerin von Nile Youth, einer Gemeinschaft für junge Menschen sudanesischer Herkunft in Deutschland, beschloss diesen Teil der Veranstaltung mit ihrem Gedicht „Just a Human“. Darin verarbeitet sie ihre Biografie und ihre Erfahrungen als junge schwarze Muslima in der westlichen Welt.

Der Religionswissenschaftler Dr. Márk Nemes weitete anschließend den Blick auf Mechanismen gesellschaftlicher Ausgrenzung. Er erläuterte das sogenannte „Rome Model“, das die OSZE 2011 zur Beschreibung einer möglichen Entwicklung von Spott und Misstrauen über staatliche Diskriminierung bis zu umfassender, teilweise staatlich geduldeter Verfolgung entwickelt hatte. Nemes fasste diesen Prozess mit den Worten „Spott, Verfolgung, Gewalt — ein schleichender Weg in die Tragödie“ zusammen.

Als internationale Beispiele nannte er die Lage der Ahmadiyya in Pakistan und der Rohingya in Myanmar sowie die Situation von Baha’i im Iran und im Jemen. In Russland und China seien ebenfalls Religionsgemeinschaften betroffen; in China führte Nemes unter anderem Zeugen Jehovas, die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, Scientology und die Familienföderation an, die dort als illegal eingestuft würden.

Nemes verwies außerdem auf eine Polizeidurchsuchung bei AROPL in Crewe in Großbritannien, eine Durchsuchung bei Twelve Tribes in den USA im Februar 2026 und einen tätlichen Angriff auf Mitglieder der Christian Gospel Mission in Taiwan. Als weitere Fälle nannte er Shincheonji in Südkorea, deren Gemeindeleiter Man-Hee Lee sich zum Zeitpunkt des Vortrags in Untersuchungshaft befand, sowie den tödlichen Anschlag auf einen Königreichssaal der Zeugen Jehovas in Hamburg vor drei Jahren. Medien und Öffentlichkeit müssten bei Berichten über religiöse Gruppen sorgfältig differenzieren, forderte Nemes, um einen solchen „schleichenden Prozess“ nicht zusätzlich zu fördern.

Auch Religionsgemeinschaften, die in Deutschland und anderen westlichen Staaten regelmäßig Gegenstand öffentlicher Kontroversen sind, kamen in Frankfurt ausführlich zu Wort. Magdalena Kloibhofer berichtete über die Lebensgemeinschaft Go & Change, die seit etwa zehn Jahren in einem ehemaligen Kloster in Unterfranken lebt. Der mit der Gemeinschaft befreundete Mediziner Dr. Till Eckert thematisierte die Haftbedingungen des Mitgründers „Kai“. Diese seien aus seiner Sicht medizinisch und menschenrechtlich bedenklich. Eckert erklärte, der Mann sei aufgrund einer drogeninduzierten Psychose in einem von ihm als einseitig eingeschätzten Verfahren verurteilt worden. Kloibhofer und Eckert berichteten außerdem von aus ihrer Sicht diffamierenden Medienkampagnen, Maßnahmen des Jugendamtes und mehreren Durchsuchungen und warben für einen respektvollen Austausch.

Für die Familienföderation für Weltfrieden und Vereinigung, die früher als Vereinigungskirche bekannt war, sprach Claus Dubisz über die Folgen der jüngsten Auflösungsanordnung in Japan. Aussagen führender Personen, der Glaube selbst werde dadurch nicht verboten, seien angesichts der eingezogenen Kirchen und Finanzmittel zynisch, sagte er. Einige Jugendliche seien nach seinen Angaben in der Folge in den Suizid getrieben worden. Die 83-jährige Mitgründerin Hak Ja-han Moon befinde sich derzeit in einem Krankenhaus; ihre Untersuchungshaft sei trotz ihres Alters und schwerer gesundheitlicher Einschränkungen nicht aufgehoben worden.

Dubisz erinnerte außerdem an das frühere Einreiseverbot Deutschlands gegen die Kirchengründer für den gesamten Schengenraum. Dieses hatte elf Jahre bestanden und war 2006 durch das Bundesverfassungsgericht korrigiert worden. Das Gericht hatte festgestellt, staatliche Stellen dürften die Bedeutung eines Besuchs für eine Religionsgemeinschaft nicht bewerten, weil Kernbereiche der Glaubensförderung und -ausübung staatlicher Beurteilung entzogen seien; konkrete Gefahren durch den Besuch der Religionsstifter seien nicht erkennbar gewesen.

Michaela Gross, Präsidentin der Church of Scientology Frankfurt, berichtete aus ihrer Sicht über Benachteiligungen von Scientology-Mitgliedern in Deutschland. Sie nannte familiäre Ausgrenzung, negative Medienberichte und sogenannte „Sektenfilter“ bei Behörden, Schulen und Unternehmen. Nach ihrer Darstellung müssen Betroffene dort teilweise erklären, keine Scientologen zu sein, um Arbeitsplätze, Aufträge oder Förderungen erhalten zu können. Als Beispiel führte Gross eine Scientologin aus München an, der zunächst eine kommunale Förderung für ein E-Bike verweigert worden sei, weil sie einen solchen „Sektenfilter“ nicht unterschreiben wollte. Nach vier Jahren habe ein Gericht rechtskräftig zu ihren Gunsten entschieden.

Samuel Frese, bei der Shincheonji-Gemeinde Jesu (SCJ) für den überkonfessionellen Austausch zuständig, stellte die 1984 in Südkorea gegründete Gemeinschaft und die 2013 von SCJ-Gründer Man-Hee Lee ins Leben gerufene Friedensorganisation HWPL vor. Diese verfügt über Beraterstatus beim Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen (ECOSOC). Frese erklärte, Mitglieder seiner Gemeinde erlebten nach eigenen Angaben Stigmatisierung und Benachteiligung in Familie, Beruf und Gesellschaft.

Zum Verfahren gegen Lee während der Corona-Pandemie wies Frese darauf hin, dass der 2020 in Untersuchungshaft genommene Religionsführer von dem pandemiebezogenen Vorwurf später rechtskräftig freigesprochen wurde, während andere Verurteilungen bestehen blieben. Im 2026 eröffneten Verfahren wird Lee ein Verstoß gegen das südkoreanische Parteiengesetz vorgeworfen. Nach Freses Angaben befand sich der damals 95-Jährige zum Zeitpunkt des Forums seit etwa 60 Tagen in Untersuchungshaft.

Frese verwies auf eine Pressekonferenz vom 7. August 2026 in Südkorea. Menschenrechtsexperten, darunter Vertreter von HRWF, CAP und CESNUR sowie die in Frankfurt anwesenden Nemes und Langhans, hatten dort die Dauer der Untersuchungshaft angesichts des Alters des Beschuldigten als unverhältnismäßig kritisiert. Frese forderte die Prüfung milderer Mittel wie Kaution oder Hausarrest, internationale Beobachtung des Verfahrens und die Korrektur aus seiner Sicht falscher Darstellungen über die Glaubensgemeinschaft. Zugleich pochte er auf die Unschuldsvermutung: „Wir bitten heute nicht um Privilegien. Wir fordern gleiche Rechte.“

Nach Angaben von FOREF repräsentierten die anwesenden Religions- und Weltanschauungsvertreter zusammen rund 250.000 Menschen in Deutschland und mehr als 32 Millionen weltweit. Zum Ende des Forums unterzeichneten die beteiligten Leiterinnen und Leiter eine gemeinsame Erklärung. Darin verpflichteten sie sich zu gegenseitigem Respekt und bekannten sich zur Religions-, Meinungs- und Pressefreiheit.

Die Abschlusserklärung fasste den Anspruch des Forums in einem Satz zusammen: „Religions- und Weltanschauungsfreiheit bedeutet nicht, dass wir alle dasselbe glauben oder denken. Sie bedeutet, dass wir unterschiedlich sein können — und trotzdem frei und sicher leben können.“

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