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Shincheonji warnt vor politischer Instrumentalisierung – Gemeinde sieht Religionsfreiheit in Südkorea gefährdet


FRANKFURT AM MAIN / SEOUL, 21. Januar 2021 – Die Shincheonji Kirche Jesu, in Deutschland vertreten durch die Deutschland Zion Gemeinde e.V. mit Sitz in Frankfurt am Main, hat eine Stellungnahme zur innenpolitischen Lage in Südkorea veröffentlicht. Darin wirft die Glaubensgemeinschaft der südkoreanischen Regierung vor, eine religiöse Minderheit gezielt zum Gegenstand politischer Maßnahmen zu machen und staatliche Machtmittel in einer „vergeltenden Weise“ einzusetzen. Aus Sicht der Kirche steht dieses Vorgehen im Widerspruch zu Artikel 20 der Verfassung der Republik Korea, der Religionsfreiheit und die Trennung von Staat und Religion garantiert.

Kritik an Äußerungen aus Regierungsspitze

Auslöser der Erklärung sind öffentliche Aussagen führender Regierungsvertreter Mitte Januar. Am 12. Januar sagte Präsident Lee Jae-myung bei einem Treffen mit Religionsvertretern, „gesellschaftlicher Schaden [verursacht durch eine bestimmte Religion]“ sei „zu lange vernachlässigt“ worden. Einen Tag später sprach Premierminister Kim Min-seok in einer Kabinettssitzung von „Sekte“ und „Ketzerei“ und ordnete eine gemeinsame Untersuchung sowie Maßnahmen zur „Ausrottung“ an.

Die Shincheonji Kirche Jesu bewertet diese Wortwahl als problematisch und sieht darin eine Vorfestlegung noch vor Beginn formaler Ermittlungen. Wörtlich heißt es in der Stellungnahme:

„Diese Aussagen nehmen effektiv ein Ergebnis vorweg, noch bevor eine formelle Untersuchung begonnen hat. Eine solche Rhetorik seitens der Spitze der Exekutive brandmarkt eine spezifische religiöse Gruppe präventiv als ‚sozial problematisches Gebilde‘. Dies kann dahingehend interpretiert werden, dass das ordnungsgemäße Verfahren und die Grundsätze des Ermittlungsprozesses beeinträchtigt werden.“

Sorge vor Grenzüberschreitung zwischen Staat und Religion

Besonders kritisch sieht die Gemeinde, dass die angekündigte Untersuchung mit einer politischen Einordnung der Gruppe als feststehende Tatsache einhergehe. In der Erklärung ist von „einseitiger Einmischung durch die Staatsgewalt“ die Rede; die Verwaltung reiße verfassungsrechtliche Grenzen nieder, indem sie die Gemeinschaft bereits während laufender Schritte als „Sekte“ etikettiere.

Grundsätzlich stellt die Kirche die Legitimation staatlicher Bewertungen theologischer Fragen infrage. Sie formuliert dies in zwei Fragen:

„Mit welcher Autorität definiert und beurteilt eine säkulare Regierung religiöse Doktrinen? Auf welcher rechtlichen Grundlage gibt der höchste Sitz der Macht ‚Ermittlungsrichtlinien‘ vor, die die Unabhängigkeit der Justiz untergraben?“

Kriterien für „Orthodoxie“ oder „Ketzerei“ dürften, so die Gemeinschaft, nicht von politischer Nähe oder säkularen Interessen abhängen, sondern müssten in der Heiligen Schrift begründet sein. Zur Untermauerung verweist die Kirche auf historische Beispiele der Verfolgung früher Christen und erinnert daran, dass auch Jesus von religiösen Autoritäten als „Ketzer“ bezeichnet worden sei.

Einladung zum öffentlichen Bibeldialog – Hinweis auf Freisprüche

Die Shincheonji Kirche Jesu betont in ihrer Erklärung, sie habe mehrfach einen transparenten Weg zur Klärung theologischer Auseinandersetzungen vorgeschlagen: eine offene, öffentliche Bibelprüfung. „Bis heute gab es keine faire Reaktion auf diese Einladung“, heißt es. Zugleich betont die Gemeinschaft, sie habe „niemals Unfehlbarkeit beansprucht“, sei bereit, konkrete Fehler zu korrigieren, verlange jedoch, dass Vorwürfe präzise benannt und nicht pauschal erhoben würden.

Darüber hinaus verweist die Gemeinde auf frühere juristische Verfahren, die trotz zahlreicher Anschuldigungen „wiederholt zu Freisprüchen geführt“ hätten. Das erneute Aufgreifen bereits gerichtlich geklärter Punkte für politische Angriffe werfe die Frage auf, ob dies noch den Standards eines demokratischen Rechtsstaates entspreche.

Appell gegen „Sündenbock“-Politik

Zum Abschluss richtet die Kirche einen Appell an Präsident und politisches Establishment, sich von einer „Politik der Sündenbocksuche“ zu lösen. Der Staat habe die Pflicht, sicherzustellen, dass niemand aufgrund seines Glaubens an den Rand gedrängt werde.

„Wenn heute eine Religion ins Visier genommen wird, könnte morgen jede andere marginalisierte Gruppe das Ziel sein. Die Shincheonji Kirche Jesu wird im Rahmen von Recht und Ordnung fest in Wahrheit und Glauben stehen und sich nicht zum Schweigen bringen lassen.“

Die Mitglieder der Kirche hätten, so die Mitteilung weiter, ihre Loyalität als Bürger Südkoreas durch konkrete Beiträge gezeigt – von Zusammenarbeit mit Behörden bis hin zu Blutspenden und freiwilligem Engagement. Die Regierung wird aufgefordert, zu ihrer grundlegenden Pflicht zurückzukehren, allen Menschen gleichermaßen zu dienen.

Hintergrund: Shincheonji in Frankfurt

Die Shincheonji Kirche Jesu ist eine christliche Glaubensgemeinschaft. Die Gemeinde in Frankfurt am Main engagiert sich nach eigenen Angaben im gesellschaftlichen Leben und wird in Deutschland rechtlich durch die Deutschland Zion Gemeinde e.V. vertreten.

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